Peter Egloff: Die Wohn- und Nutzhäuser sind teilweise Hunderte Jahre alt, und von der Hangterrasse aus hat man eine eindrückliche Aussicht auf die Lötschenlücke und das Bietschhorn. Die dichte Anordnung der rund 70 Bauten mit einer Kirche erzeugt ein zusammenhängendes Bild mit Gassenzügen und Freiräumen. Wegen seiner nationalen Bedeutung ist der Ort seit 1994 im ISOS mit dem Erhaltungsziel A eingetragen. Die Schuttlawine ging zum Glück knapp daran vorbei. Die Häuser wurden jedoch durch den Schlamm und den Staub in der Luft von einer feinkörnigen, fest haftenden Partikelschicht eingehüllt. Nach dem schrecklichen Ereignis richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf das unversehrte Weissenried als sogenannte Auslagerungssiedlung oder Filialdorf von Blatten. Der Ort ist nicht isoliert entstanden, sondern eng mit der Geschichte Blattens verbunden.
Grundsätzlich hat die im Jahre 1994 gegründete Stiftung Blatten die Leitung inne und finanziert vieles vor, was das Vorgehen erleichtert. Aber sie ist klein und hat sich bisher jährlich um ein oder zwei Objekte in der Region gekümmert. Nach dem Bergsturz hat sie in kurzer Zeit eine grössere Menge an Spendengeldern erhalten. Das erfordert nun strukturelle Anpassungen. Die Stiftung lädt alle Hausbesitzer und -besitzerinnen in Weissenried zu einem Gespräch ein. Ein wichtiges Thema sind die unterschiedlichen Voraussetzungen. Einige Objekte gehören mehreren Parteien, und die Vorstellungen, wie die Häuser gereinigt werden sollen, gehen auseinander. Zudem sind die Besitzer und Besitzerinnen unterschiedlich versichert. Einige Versicherungen übernehmen primär standardisierte Reinigungsverfahren, die häufig auf den Einsatz technischer Geräte ausgerichtet sind und eine differenzierte, materialgerechte Handreinigung nicht vorsehen. Das ist problematisch, denn so besteht die Gefahr irreversibler Substanzverluste und einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Ortsbildes. Doch man muss auch sagen, dass die Stiftung die durch Handarbeit entstehenden Mehrkosten übernimmt.
An den Lärchenholzfassaden ist über die Jahrhunderte durch die Sonne eine schwarze Schicht entstanden. Diese Patina ist ein hervorragender Witterungsschutz. Es wäre fatal, sie mittels Hochdruckreiniger, Sandstrahler oder starkem Bürsten zu beschädigen oder sogar zu entfernen. Die schwarze Oberfläche ist aber auch ein ästhetisches Merkmal, und um ein optisches Flickwerk auf den Fassaden zu vermeiden, soll das Vorgehen einheitlich erfolgen. Wie gereinigt wird, ist somit ein gemeinschaftlicher Entscheidungsprozess, den möglichst alle mittragen sollen. Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, machen wir zuerst Reinigungsmuster. Da das tonhaltige Murgangmaterial stark haftet und durch Regen nicht ausreichend entfernt wird, kommen bei den Arbeiten meist Wasser und weiche mechanische Mittel wie Naturschwämme zum Einsatz. Wir können die geeigneten Reinigungstechniken vermitteln und die Aufgaben koordinieren. Abschliessend sind wir von der Stiftung Blatten mit der Qualitätskontrolle beauftragt. Ein Hauptkriterium wird das einheitliche Erscheinungsbild der Häuser sein.
Genau, in einer ersten Etappe haben letztes Jahr viele Freiwillige die Wege, Gebäudesockel und Fenster gereinigt. Von Mai bis Oktober 2026 werden wir nun die Fassaden von etwa 20 Häusern reinigen. Wir suchen Fachspezialisten und -spezialistinnen der Weiterbildung Handwerker in der Denkmalpflege, die uns vor Ort unterstützen und ihr Wissen an Studierende der Berner Fachhochschule des MAS Denkmalpflege und Umnutzung weitergeben. Diese werden dann an vier Freiwilligentagen die Arbeiten leiten.
Das Interview führte Danielle Fischer, Architektin und Fachjournalistin.