Baukultur
Bauwochenende Regina Mürren
Gemeinsam macht es doppelt Freude: An den Bauwochenenden im Hotel Regina in Mürren (BE) kommen Freiwillige regelmässig zusammen, um Renovations- und Unterhaltsarbeiten auszuführen. Foto: Atelier Schweizer Vollmer

Pflegen bedeutet erhalten

Der Stellenwert der regelmässigen Pflege des baukulturellen Erbes wird aktuell noch marginalisiert. Dabei sorgt konsequenter Unterhalt für den langfristigen Erhalt des Baubestandes, schont Ressourcen und spart Geld. Der Schweizer Heimatschutz ist als Praxispartner Teil des NFP-81-Forschungsprojekts «Cultural Heritage needs Continuous Care».

Wenn es um unsere eigene Gesundheit geht, ist Pflege selbstverständlich: Wir putzen die Zähne, treiben Sport, duschen regelmässig und achten auf eine gesunde Ernährung. Denn wir wissen, dass es beschwerlich und teuer werden kann, wenn wir diese Routinen unterlassen. Was für unser Wohlbefinden selbstverständlich ist, wird beim gebauten Kulturerbe erstaunlich oft ignoriert. Vermeintlich teure Unterhaltsarbeiten werden unterlassen oder aufgeschoben, bis Oberflächen oder ganze Bauteile Schaden nehmen und eine Instandstellung oder gar ein Ersatz der Originalsubstanz nötig wird. Auf lange Sicht gesehen ist die regelmässige und fachgerechte Pflege aber weitaus günstiger als eine Sanierung nach Jahren der Vernachlässigung.

Dies gilt nicht nur für Baudenkmäler, sondern für den gesamten Baubestand. Gemäss der aktuellen Lebensdauertabelle hat beispielsweise ein Fenster nach 25 Jahren ausgedient. Mit dem richtigen Unterhalt funktionieren jedoch auch deutlich ältere Fenster bis heute einwandfrei. Eine lange Nutzungsdauer von Bauteilen schont zudem wertvolle Ressourcen. Die adäquate Pflege der einzelnen Elemente setzt spezifisches Wissen und Kenntnisse voraus, die Pflegemassnahmen müssen dabei dem Gebäude entsprechen. Eine gotische Kirche aus Sandstein erfordert einen anderen Umgang als ein postmodernes Schulhaus mit einer Stahl-Glas-Konstruktion. Die verbindliche Einführung von Unterhaltsplänen und auf den jeweiligen Gebäudetyp zugeschnittene Massnahmenkataloge könnten dabei helfen, dieses Wissen in die Praxis zu überführen.  

Wartung und Reinigung statt Reparatur

Oft sind es nicht Fachleute, sondern Nutzerinnen, Hauswarte oder Reinigungskräfte, die Schäden zuerst bemerken. Ihr Wissen und ihre Aufmerksamkeit sind ein entscheidender Faktor für den Erhalt der Bausubstanz. Das Angebot von Kursen in Reinigungsfirmen, Weiterbildungsmöglichkeiten in Handwerksbetrieben oder Modulen zur Pflege von Baudenkmälern in Studiengängen für Facility Management ist heute noch bescheiden. Doch genau dort besteht grosses Potenzial.

Mangelnder Unterhalt kann den Zerfall, ja sogar den Verlust von wertvollen baukulturellen Zeitzeugen bedeuten. Ist ein Gebäude ungenutzt, werden Schäden oft zu spät erkannt. Unsere Stiftung Ferien im Baudenkmal gibt dem Verfall ausgesetzten und bedrohten Baudenkmälern nach einer sanften Restaurierung eine neue Belebung als Ferienobjekte. Denn eine angemessene Nutzung ist der erste Schritt zur Pflege. Zusammen mit der Stiftung Ferien im Baudenkmal ist der Schweizer Heimatschutz als Praxispartner Teil des NFP-81-Forschungsprojekts «Cultural Heritage needs Continuous Care». Indem das Projekt die regelmässige Pflege ins Zentrum rückt, Richtlinien etabliert und die Kompetenzen der beteiligten Akteure stärken möchte, greift es ein zentrales Anliegen des Schweizer Heimatschutzes auf: den Baubestand durch Pflege zu erhalten, damit spätere Rettungsaktionen gar nicht erst nötig werden.
 

Regula Steinmann, Leiterin Baukultur

NFP 81

Das NFP 81 «Baukultur. Für einen sozialen und ökologischen Wandel des gebauten Raums» ist ein nationales Forschungsprogramm, das unterschiedliche Disziplinen und Perspektiven zusammenführt, um die Qualität der gebauten Umwelt im Sinne der Nachhaltigkeit zu verbessern. Die Forschungsphase begann 2025 und erfolgt über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Zeitschrift

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine 1/2026 «Unser Kulturerbe pflegen» (erschienen am 24. Februar 2026).