Raum- und Landschaftsplanung

Die Früchte der Zusammenarbeit

Der Wakkerpreis 2011 an die Gemeinden von Lausanne-West würdigte ihr Engagement für eine interkommunale Zusam­menarbeit. Dreizehn Jahre später zeigen sich konkrete Ergebnisse: Eine gut koor­dinierte Siedlungsentwicklung nach innen, verbesserte Verkehrsnetze und attraktive öffentliche Räume sind nur einige der sicht­baren Erfolge dieser gemeinsamen Anstrengungen.

Im Jahr 2011 erhielten die Gemeinden, die 2003 das Schéma directeur de l’Ouest lausannois – einen Richtplan für das gesamte Gebiet – unterzeichnet hatten, den Wakkerpreis. Diese Auszeichnung für mehrere Gemeinden zugleich war eine Premiere. Bussigny, Chavannes-près-Renens, Crissier, Ecublens,  Prilly, Renens, Saint-Sulpice, Villars-Ste-Croix und Lausanne wurden für ihre Bemühungen zur Aufwertung ihres Gebiets, zur Planung ihrer Entwicklung und zum Aufbau einer gemeinsamen Identität geehrt. Sie hatten die städtebauliche Neuorganisation ihres Territoriums miteinander erarbeitet und Studien in die Wege geleitet, um das Lebensumfeld ihrer Bevölkerung zu verbessern. Aber all diese Ideen mussten erst noch verwirklicht werden. Der Schweizer Heimatschutz würdigte also in gewisser Weise ein Versprechen – eine Vision, die auf der interkommunalen Zusammenarbeit beruht.

Dreizehn Jahre später sind die Auswirkungen dieser um die Jahrhundertwende eingeläuteten Dynamik viel konkreter zu sehen. Grosse gemeindeübergreifende Projekte wurden abgeschlossen oder sind im Bau, so etwa die SBB-Haltestelle Prilly-Malley, der Bahnhof Renens, der Sektor Malley, das Tramnetz oder verbesserte Busverbindungen (BHNS). Etliche kommunale Quartierpläne, die ebenfalls Teil der Gesamtvision waren, wurden in Kraft gesetzt und Teilstudien folgten. So wurden unter anderem die Projekte für Malley in Prilly, Les Cèdres in Chavannes und Le Château in Crissier an der Urne angenommen. Gleichzeitig wurde das Busnetz stark ausgebaut und durch die Aufwertung alter Kantonsstrassen Platz für Busse und die sanfte Mobilität geschaffen. Das Netz von Velowegen («voies vertes») und Übergängen dehnt sich aus und es entstehen hochwertige öffentliche Räume. Die Zentren und Quartiere entwickeln sich immer mehr in Richtung einer Stadt der kurzen Wege mit nahe gelegenen Dienstleistungen, Geschäften, Anlagen und Quartierparks. Die Identität von Lausanne-West wächst im Gleichschritt mit der interkommunalen Zusammenarbeit.

Die Stärke einer gemeinsamen Vision

Die Kräfte wurden im richtigen Moment gebündelt, und angesichts der grossen Herausforderungen erweist sich die gemeinsame Vision als massiver Vorteil. Wie die Statistiken erwarten liessen, wuchs die Bevölkerung im gleichen Tempo wie in den Vorjahren. Die Zersiedelung und der Flächenverbrauch konnten aber durch die Siedlungsentwicklung nach innen gebremst werden, sodass die umliegende Landschaft erhalten blieb. Seit 2011 sind über 12 000 Menschen nach Lausanne-West gezogen und rund 6000 neue Arbeitsplätze entstanden. Heute leben über 80 000 Menschen in dieser Region, die mehr als 50 000 Arbeitsplätze bietet. Nicht zuletzt ist auch der Universitätscampus markant gewachsen.

Die Gesamtfläche bleibt gleich, weshalb Optimierung gefragt ist: Brachen, Baulücken und Zwischenräume neu nutzen, Nutzungen vervielfachen, Räume miteinander teilen, mit dem Vorhandenen arbeiten. Jedes Projekt bietet Gelegenheit, ein Gebiet mit mehr öffentlichen Räumen, mehr Bäumen, besseren öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften oder Einrichtungen zu stärken.

Die koordinierte Entwicklung durch eine gemeinsame Vision ist heute eine Selbstverständlichkeit – ein Ansatz, der sich in diesem dichten und verschachtelten Gebiet etabliert hat. Die eingeführten Strukturen und Abläufe verleihen Lausanne-West die Flexibilität, sich an Neues anzupassen und in gewissen Bereichen eine Pionierrolle zu übernehmen.

Raumplanungsgesetz und Agglomerationsprogramm

Der allgemeine Kontext und die Erwartungen der Bevölkerung haben sich seit 2011 verändert. Die Abstimmung über das Raumplanungsgesetz im Jahr 2013 verankerte den Grundsatz der Entwicklung nach innen als Instrument gegen die Zersiedelung.

Lausanne-West hatte diesen Weg bereits eingeschlagen und damit eine grosse Verantwortung übernommen. Im Herzen des Genferseebogens und innerhalb einer Agglomeration, aber ohne Kernstadt zu sein, verfügt der Bezirk über ein grosses Potenzial für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs und ist somit prädestiniert für die Aufnahme einer wachsenden Bevölkerung. Die eidgenössische Abstimmung von 2013 bestätigte die Strategie, die hier ein Jahrzehnt zuvor beschlossen und 2011 mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet worden war.

Die Erfahrungen von Lausanne-West waren bereits 2006 in die Entwicklung des ersten Agglomerationsprogramms Lausanne-Morges (PALM) eingeflossen, das vom Bund sehr gut aufgenommen wurde. Insgesamt hat der Bund im Rahmen mehrerer Generationen dieses Programms Subventionen in der Höhe von über 160 Millionen Franken für den Bau von Infrastrukturen in Lausanne-West gesprochen.

Interkommunaler Richtplan

Nach einem ersten Planungs- und Umsetzungszyklus beschlossen die beteiligten Gemeinden 2016, einen breit abgestimmten interkommunalen Richtplan (ikRP) auszuarbeiten. Dieser Richtplan, der von den acht kommunalen Legislativen des Bezirks verabschiedet und vom Waadtländer Staatsrat genehmigt wurde, trat 2021 in Kraft. Der ikRP, der das Schéma directeur de l’Ouest lausannois (SDOL) ablöst und einen Blick auf den Zeithorizont 2040 ermöglicht, benennt die territorialen Herausforderungen und legt konkrete Absichten für die Raumentwicklung fest. Auf dieser Basis entsteht rund um die strukturierenden Elemente des Gebiets – grosse Parks, «voies vertes», Hauptachsen des öffentlichen Verkehrs – eine neue Generation gemeindeübergreifender Projekte.

Gouvernanz

2016 wurden zudem der Auftrag und die Organisation des Gremiums, das seit 2003 für die interkommunale Zusammenarbeit zuständig war, aktualisiert und das SDOL-Büro gebildet. Die Gemeinden unterzeichneten eine neue Vereinbarung, gemäss der dieses Büro interkommunal funktionieren und für die Entwicklung einer umfassenden Raumplanung verantwortlich sein soll. Für die Umsetzung leitet es seine Projekte an andere kommunale oder interkommunale Dienststellen weiter. So entstanden Ad-hoc-Projektstrukturen zur Realisierung des Areals «Fabrique de Malley» oder des Bahnhofs Renens (mit einem einzigen Projektleiter für die vier betroffenen Gemeinden).

Mit dem ikRP und der neuen Vereinbarung wurden zudem die Themen des SDOL-Büros erweitert. Die territoriale Zusammenarbeit umfasst nun auch die Bereiche Umwelt, Energie, wirtschaftliche Aktivitäten, Kulturerbe und regionale Identität. Immer mehr Akteure beteiligen sich in politischen und fachlichen Themengruppen an den gemeinsamen Überlegungen. Das Gesamtbild mag komplex erscheinen, aber das Prinzip ist ganz einfach: Jedes Thema und jedes Projekt wird auf der relevanten Ebene angegangen, die betroffenen Akteure werden an einen Tisch gebracht und arbeiten ausgehend von einer gemeinsamen Gesamtvision für Lausanne-West zusammen.

Ein Verein, der den Geist des Wakkerpreises weiterträgt

2017 beschlossen die Gemeinden von Lausanne-West die Gründung des Vereins «Ouest lausannois: Prix Wakker 2011» (OLPW–2011), der sich insbesondere mit Fragen des Kultur­erbes, der Baukultur und der sanften Mobilität beschäftigen sowie Sensibilisierungs- und Anreizmassnahmen für die Bevölkerung umsetzen soll. Ein weiteres Ziel ist die Stärkung der regionalen Identität des Gebiets unter Beibehaltung der kommunalen Identitäten. Der Verein hat mehrere Projekte durchgeführt, die Publikationsreihe Cahiers de l’Ouest initiiert oder auch die Distinction de l’Ouest lanciert, mit der die Qualität der jüngsten Realisierungen in Lausanne-West ausgezeichnet wird.

Der Wakkerpreis hat zweifellos mitgeholfen, die Identität des erst im Jahr 2008 gegründeten Bezirks zu prägen und die qualitativen Anforderungen zu stärken, die zunächst im globalen und später im interkommunalen Richtplan formuliert wurden: städtebauliche und architektonische Kriterien, Integration in den Kontext oder auch die Bewahrung des Vorhandenen und des baulichen Erbes. Indem er die Originalität und die Bedeutung dieses Ansatzes hervorhob, konnten die relevanten Interessengruppen überzeugt und motiviert werden, sich in diese Entwicklung einzubringen. Der Preis schweisste die damaligen Gemeindepräsidenten zusammen: Sie erkannten, dass ihr Schicksal miteinander verbunden ist und dass ihnen dies zugleich mehr Gewicht gibt, um ihre Interessen zu verteidigen. Er förderte die Stärkung eines Netzwerks von eng miteinander verbundenen Akteuren, die sich jenseits jeder interkommunalen Konkurrenz gegenseitig unterstützen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Seit Anfang der 2000er-Jahre überwinden die Gemeinden von Lausanne-West die kommunalen Grenzen. Ihre Zusammenarbeit entwickelt sich weiter und passt sich den Bedürfnissen und Herausforderungen an, wobei immer nach der richtigen Ebene und der besten Organisation gesucht wird, um Überlegungen und Projekte durchzuführen. 

Benoît Biéler, Leiter Bureau Stratégie et développement de l'Ouest lausannois (SDOL)

Wakkerpreis

Der Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes zeichnet Gemeinden aus, die bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorzeigen können. 

Preisträger 2011

Ouest lausannois (VD)
Die neun Gemeinden von Lausanne West – Bussigny, Chavannes, Crissier, Ecublens, Prilly, Renens, St-Sulpice, Villars-Ste-Croix und Lausanne – erhielten 2011 den Wakkerpreis für ihr koordiniertes Vorgehen bei der Gebietsentwicklung, beim Aufwerten der bestehenden Wohnsituationen und beim Schaffen einer gemeinsamen Identität, womit sie die Qualitäten ihres Gebiets wieder in den Vordergrund rücken.