Baukultur
Rotenbrücke in Teufen (AR)
Rotenbrücke in Teufen (AR): Die gedeckte Holzbrücke wurde 1862 nach dem in der Schweiz selten angewendeten Tragsystem «Town» über den Rotbach errichtet. Foto: Sämi Mühlemann

Spazieren mit dem Heimatschutz

Spazieren gehen und dabei Baukultur entdecken: Der Schweizer Heimatschutz und seine Sektionen machen spannende Rundgänge zugänglich und bringen die lokale Architektur und Ortsgeschichte einem breiten Publikum näher. Auf der Seite heimatschutz.ch/rundgaenge sind der­zeit 30 Spaziergänge in allen Landes­teilen online. Fortsetzung folgt.

Der letzten Neuzugänge auf der Seite heimatschutz.ch/rund­gaenge sind die drei Dorfspaziergänge in Heiden, Teufen und Rehetobel, die wir in Zusammenarbeit mit der Heimatschutzsektion Appenzell Ausserrhoden aufschalten konnten. Auf den Spaziergängen in den drei Dörfern erfährt man vieles über Baukultur und Sozialgeschichte, und es werden zahlreiche Bauten in Bild und Text vorgestellt. An drei physischen Rundgängen im August, September und Oktober stellte die Sektion ihre wertvolle Arbeit einem interessierten Publikum vor. Wer diesen Ortsterminen nicht beiwohnen konnte, kann mit einem Smartphone ausgerüstet auch eigenständig auf Entdeckungsreise nach Appenzell Ausserrhoden fahren. Recherche, Redaktion und Bebilderung wurden von der Sektion eigenverantwortlich und mit grossem Einsatz erbracht. Dafür, dass wir auch die technische Produktion in kundige Hände geben durften, möchten wir uns hiermit herzlich bedanken.

Mit der Seite heimatschutz.ch/rundgaenge lassen sich auch viele andere Spaziergänge in der ganzen Schweiz von Basel bis Poschiavo planen. Die Publikationsreihe Baukultur entdecken wurde vor mehr als 20 Jahren vom Schweizer Heimatschutz und von seinen Sektionen als Serie von Faltblättern entwickelt. Seit 2022 erfolgt die Herausgabe online, sodass die Sammlung aller Spaziergänge – durch Wakkerpreisgemeinden oder in anderen baukulturell bedeutenden Orten – nun frei zugänglich in der Hosentasche Platz hat. Die Karten mit den einzelnen Stationen und die dazugehörigen Erklärungen können auf einem mobilen Gerät intuitiv erkundet werden. Mit dieser Website wird die wertvolle Arbeit des Schweizer Heimatschutzes und seiner Sektionen um den Erhalt und die Vermittlung von Baukultur sichtbar gemacht. 

Drei Rundgänge durch Appenzeller Dörfer: Heiden, Teufen, Rehetobel (AR)
Drei Rundgänge durch Appenzeller Dörfer: Heiden, Teufen, Rehetobel (AR). Foto: Sämi Mühlemann
Zürcher Nahtstelle: Stadelhofen (ZH)
Zürcher Nahtstelle: Stadelhofen (ZH). Foto: Janic Scheidegger, Schweizer Heimatschutz
Erst 35-jährig und schon bedroht: Metalli Zug (ZG)
Erst 35-jährig und schon bedroht: Metalli Zug (ZG). Foto: Noah Santer

Drei Rundgänge durch Appenzeller Dörfer

Heiden, Teufen und Rehetobel (AR) 

Heidens Dorfcharakter ist geprägt von der Planung und dem Wiederaufbau nach dem Brand von 1838. Mit dem damals aufkommenden Gesundheitstourismus erlebte der klassizistisch-biedermeierliche Baustil seine Blüte, doch im 20. Jahrhundert entstanden auch bedeutende Bauten im Stil der Moderne. Stattliche Villen von Zahnärzten und Naturärzten zeugen davon, dass Teufen als reichste Gemeinde im Kanton viele Gutverdiener anzog. Der letzte Punkt der 28 (!) Stationen führt zur sanierten Rotenbrücke, die dank der Sektion Appenzell Ausserrhoden heute noch über den Rotbach führt. Rehetobels stattliche Grösse verdankt das Dorf der textilen Heimindustrie, die zunächst von der Weberei und später von der mechanischen Stickerei geprägt wurde.

Zürcher Nahtstelle

Stadelhofen (ZH)

Dieser Rundgang führt durch ein kleines Gebiet in einer grossen Stadt. Das Quartier Stadelhofen liegt an einer städtebaulichen Nahtstelle in Zürich. Die Bauten und Anlagen der 1970er- bis 1990er-Jahre am Stadelhofen machen die Dualität Wohnquartier und städtische Infrastruktur deutlich und sind ein Plädoyer für Vielfalt und Kontinuität. Architekten wie Ernst Gisel, Pierre Zoelly und natürlich Santiago Calatrava, dessen Haus zum Falken seit Oktober 2025 den Stadelhofen mitprägt, markieren mit ihrer Handschrift das Gebiet. Dieser Rundgang ist ebenfalls Teil der Kampagne Baukultur 1975–2000.

Erst 35-jährig und schon bedroht

Metalli Zug (ZG)

Die Metalli in Zug ist benannt nach einer Metallwarenfabrik aus dem 19. Jahrhundert und besetzt als nördliche Erweiterung der Innenstadt neben dem Bahnhof Zug eine Fläche von 76 000 m2. Sie gilt als Hauptwerk der Schweizer Postmoderne und steht aktuell wegen Teilabbruch- und Neubauplänen im Fokus. Dabei ist der erst 35-jährige Bestand wichtiges baukulturelles Erbe, das einer kurzfristigen Rendite nicht zum Opfer fallen darf. Der Rundgang in sechs Stationen führt durch das wichtige Zeitzeugnis einer Epoche, die nach der funktionalistischen Moderne den Menschen wieder ins Zentrum setzt.

Ausgezeichnete Peripherie: Poschiavo (GR)
Ausgezeichnete Peripherie: Poschiavo (GR). Foto: Christian Beutler, Keystone
Le postmodernisme en Valais: Monthey (VS)
Le postmodernisme en Valais: Monthey (VS). Photo: Pierre Marmy
La diversité comme atout: Meyrin (GE)
La diversité comme atout: Meyrin (GE). Photo: Max Oettli

Ausgezeichnete Peripherie

Poschiavo (GR)

Ist die Kachel auf der Website heimatschutz.ch/rundgaenge in Farbe gehalten, handelt es sich um einen Rundgang in einer Wakkerpreisgemeinde. In neun Stationen führt dieser Rundgang durch Poschiavo, Preisträgerin 2025. Das Südbündner Bergdorf erzählt die faszinierende Geschichte eines einst florierenden Handelsorts und diejenige der Zuckerbäcker, die im Ausland ihr finanzielles Glück suchten und als Heimkehrer prächtige Villen erstellten. Poschiavo bewahrt durch die Verbindung von (Bau-)Kultur, Eigenständigkeit, nachhaltiger Landwirtschaft und zivilem Engagement eine hohe Lebensqualität. Dadurch gelingt es der peripher gelegenen Gemeinde, der Abwanderung erfolgreich entgegenzuwirken.

Le postmodernisme en Valais

Monthey (VS)

L’architecte cantonal Bernard Attinger a lancé dans les années 1980 un concours d’architecture ouvert dont Martigny, Sierre et Monthey ont particulièrement profité. Au cours de cette décennie, Monthey a vu naître plusieurs bâtiments publics emblématiques, répondant aux besoins d’une société en mutation: un théâtre comme lieu de rencontre culturelle, un établissement pour personnes âgées, ainsi qu’un bâtiment administratif représentatif pour la commune. L’essor démographique s’est également traduit par la construction de logements et de bâtiments commerciaux dans un style postmoderne. Cette promenade fait partie de la campagne «Culture du bâti 1975–2000» et reprend à ce titre la mise en page propre à cette série.

La diversité comme atout

Meyrin (GE)

Lauréate du Prix Wakker 2022, la commune de Meyrin, dans l’agglomération genevoise, conjugue qualité architecturale, biodiversité et richesse historique. Dans les années 1960, on y construisit la première ville satellite de Suisse dotée d’un centre commercial, dont il ne subsiste malheureusement que peu d’éléments. En revanche, aux côtés du nouvel écoquartier Les Vergers subsistent des bâtiments du XIXe siècle qui offrent aujourd’hui au quartier des espaces de détente et de rencontre.

Website

Baukultur entdecken

Auf der Website heimatschutz.ch/rund­gaenge sind 30 Rundgänge versammelt. Entdecken Sie Spaziergänge von Basel bis Poschiavo. 

Zeitschrift

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine 4/2025 «Ein Recht für Heimat und Natur» (erschienen am 25. November 2025).