Der Nationalrat hat die Empfehlung seiner Kommission und des Bundesrats befolgt und vorige Woche die Motion Würth abgelehnt. Der Schweizer Heimatschutz ist erleichtert. Der Verband reagierte damals mit Unverständnis, als der Ständerat die Motion im Juni 2025 angenommen hatte. Eine Annahme durch beide Kammern hätte die Substanz und die Organisation des Ortsbildschutzes in der Schweiz massiv gefährdet.
Die Erleichterung für den Schweizer Heimatschutz könnte jedoch von kurzer Dauer sein: Nach dieser Motion folgt bereits die nächste. Die Motion Gartmann will ebenfalls die Kompetenzen des Bundes im Ortsbildschutz abschaffen und diese ausschliesslich bei Kantonen und Gemeinden konzentrieren. Doch Ortsbilder prägen die Identität der Schweiz. Ihr Schutz muss eine gemeinsame Aufgabe bleiben – getragen von Bund, Kantonen und Gemeinden, begleitet vom kritischen, aber konstruktiven Blick des Heimatschutzes und der Bevölkerung, damit sich Ortsbilder harmonisch entwickeln.
Der Bundesrat hatte im September 2025 nach einem Runden Tisch mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren konkrete Massnahmen zur Verbesserung und Präzisierung der Anwendung des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) beschlossen. Den Ortsbildschutz weiter anzugreifen, erscheint unnötig und gefährlich. Dies würde einen Flickenteppich kantonaler Regelungen und Rechtsunsicherheit schaffen. Die Motion ist daher überflüssig und würde mehr Probleme schaffen, als sie löst.