Heimatschutzzentrum

Die weisse Gefahr – Umgang mit Lawinen in der Schweiz

Das Heimatschutzzentrum eröffnet am 14. November die Ausstellung «Die weisse Gefahr. Umgang mit Lawinen in der Schweiz». Kaum ein Land hat den Lawinenschutz so weit entwickelt wie die Schweiz. Doch auch neuste Technologien sind nur dank überlieferter Erfahrung und jahrhundertealtem Wissen wirksam. Eine Ausstellung über Tradition, Baukultur und Technik – Barryvox und Bauchgefühl.

Die Lawine ist eine zerstörerische Naturgewalt, unberechenbar und bedrohlich. Ohne Lawinenschutz wäre das Leben in den Alpen undenkbar, der Tourismus stark eingeschränkt. Längst sind die massiven Lawinenverbauungen zu prägenden Elementen der alpinen Kulturlandschaft geworden. Das Wissen über den Lawinenschutz wird von Generation zu Generation weitergegeben und prägt das Selbstverständnis der alpinen Bevölkerung bis heute. Ende 2018 hat auch die UNESCO dieses traditionelle Wissen anerkannt und den Umgang mit der Lawinengefahr in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.


Unfälle vor allem in der Freizeit

Lawinenniedergänge in besiedelten Gebieten sind heute glücklicherweise selten. Denn nach dem «Lawinenwinter» 1950/51 mit 1421 Lawinen und 98 Todesopfern bekam der Schutz von Dörfern, Weilern und Strassen in der Schweiz höchste Priorität: Detaillierte Gefahrenkarten wurden erarbeitet, Schutzwälle gebaut, Bäume gepflanzt. Gegen 500 Kilometer Stützverbauungen stehen heute in den Schweizer Alpen, rund 40% der gesamten Waldfläche gilt als Schutzwald. Fast alle Lawinenunfälle ereignen sich heute im Freizeitbereich. Für Tourengänger und Freerider ist eine umsichtige Vorbereitung mit Risiko-Analyse von zentraler Bedeutung.


Schutz durch Wissen und Erfahrung

All die Massnahmen zum Schutz vor Lawinen sind ohne jahrhundertealtes Erfahrungs-wissen nicht denkbar. Früher stützten sich die Menschen auf Aufzeichnungen in Talbüchern, Kirchenrodeln, Gemeindearchiven, aber auch auf Überlieferungen aus der Bevölkerung. In den Alpentälern weisen umgangssprachliche Orts- und Flurnamen wie «Schusslauinen» oder «Roti Loiwina» auf Lawinenniedergänge hin. Und auch eine Dienstleistung wie das Lawinenbulletin des eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF ist ohne Informationen aus der lokalen Bevölkerung nicht denkbar. Aber Daten, Informationen und High-Tech-Ausrüstung reichen nicht aus, wenn sie nicht mit menschlichen Erfahrungen vernetzt werden. Geräusche oder Lichtverhältnisse lassen sich oft nur dank dem «Bauchgefühl» richtig einschätzen.


Verschiedene Facetten

Die Ausstellung (d/f/i) «Die weisse Gefahr» widmet sich den unterschiedlichen Facetten im Umgang mit Lawinen: von den Verbauungen an den steilen Bergflanken über die Risikoeinschätzung in Wintersportregionen bis hin zur Herausbildung der professionellen Rettung in der Schweiz. Mit Film, Bild und Text ermöglicht sie sowohl emotionale als auch wissensorientierte Zugänge zu dem Naturphänomen zwischen Furcht und Faszination. Konzipiert wurde die Schau vom Alpinen Museum der Schweiz. Nach Stationen in Bern und Ilanz ist die Wanderausstellung nun in Zürich zu sehen.


Rahmenprogramm

Erwachsene, Familien und Schulklassen sind herzlich willkommen. Das vielfältige Rahmenprogramm lädt zu einer Ausstellungstour mit einem Bergführer ein oder bietet literarische und visuelle Zugänge zum Thema Lawinengefahr. 

Die Ausstellung «Die weisse Gefahr. Umgang mit Lawinen in der Schweiz» ist vom 14. November 2019 bis zum 13. April 2020 (Ostermontag) im Heimatschutzzentrum zu sehen. Öffnungszeiten: Mi, Fr, Sa 14-17 Uhr / Do und So 12-17 Uhr.

Heimatschutzzentrum und Villa Patumbah

Das Heimatschutzzentrum wird vom Schweizer Heimatschutz betrieben. Dieser mietet die Villa Patumbah seit 2013 von der Stiftung Patumbah. Im Erd- und Gartengeschoss zeigt das Heimatschutzzentrum Ausstellungen und bietet Füh-rungen, Theatertouren und Workshops rund um das Thema Baukultur an. Damit schärft es bei Gross und Klein den Blick für die gebaute Umwelt in all ihren Facetten: Baukultur, Kulturlandschaft, Lebensräume, Siedlungsentwicklung.

 

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Fragen und Auskünfte

Karin Artho, Leiterin Heimatschutzzentrum
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