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Mittwoch, 11. August 2004

"ViaSalina": Wo Salztonnen den Jura hinunter donnerten

Beim Gasthof "La Balance" in Vuiteboeuf VD wurden die Pferde gewechselt und hielten die Säumer Rast. Heute zerfällt das Gebäude zusehends. Ein Zustupf aus dem Talererlös 2004 wird es ermöglichen, das Haus zu renovieren und kulturell zu nutzen.
ViaStoria, Bern

Der Handelsweg aus dem Burgund an den Neuenburgersee und weiter nach Bern war lebenswichtig, galt er doch vor allem dem Salztransport. Mit einem Beitrag aus dem Talerverkauf 2004 für Heimat- und Naturschutz wird eine Schlüsselstelle der "ViaSalina" im Waadtländer Jura gesichert: die beeindruckenden Karrgeleise bei Ste-Croix inmitten eines herrlichen Wandergebietes.

Ohne Salz kein Leben, reguliert es doch den Wasserhaushalt der Organismen. Für den Menschen spielt es überdies als Gewürz, Konservierungsmittel und Futterzusatz in der Tierhaltung seit Jahrtausenden eine zentrale Rolle. Nicht umsonst galt das "weisse Gold" früher sogar als Zahlungsmittel. Seine Vorkommen, sein Abbau und Handel wurden stets auch als politische Instrumente benützt. Umgekehrt blühte an den Transportwegen zwischen den Salzgewinnungsorten und den Absatzmärkten eine vielfältige Wirtschaft auf.

30 Wege aus fünf Jahrhunderten
Eine solche Verbindung entwickelte sich ab dem 13. Jahrhundert zwischen dem französischen Jura, Pontarlier, Yverdon, Murten und Bern. Ausgangspunkt bildete die königliche Saline von Arc-et-Senans, für die Claude-Nicolas Ledoux im 18. Jahrhundert eine monumentale, aber unvollendete Anlage schuf, die seine Auffassung vom Leben des Menschen, seiner Arbeit und Freizeitgestaltung widerspiegelt und das Nützliche mit dem Schönen verbindet. Neben diesem Schaustück, das seit der Einstellung des Salzabbaues vor gut hundert Jahren Museumszwecken dient, hat die "ViaSalina" noch weitere, historisch interessante Wegabschnitte zu bieten. Dazu gehört namentlich der steile Abstieg vom damals bedeutendsten Salzmarkt zwischen dem Burgund und der Schweiz, Ste-Croix, nach Vuiteboeuf. Denn hier hat sich das bisher längste Karrgeleise erhalten, lassen sich stellenweise bis zu 30 Wege aus 500 Jahren nachweisen und schleppten einst Saumtiere täglich rund sieben Tonnen Salz ins Mittelland. Die Verkehrsader geht ins 13. Jahrhundert zurück und wurde bis ins
18. Jahrhundert benützt. An ihr liegen auch die einstige Pferdewechselstation "La Balance" in Vuiteboeuf und ein Salzmagazin in Lignerolles.

Kulturzeugen in Felsen gehauen
Den Karrgeleisen und der "Balance" wollen sich die Trägerverbände der Taleraktion, der Schweizer Heimatschutz und Pro Natura, annehmen. Mit einem Beitrag aus dem diesjährigen Verkaufserlös sollen die in die Felsen gehauenen Fahrrillen, welche die Fuhrwerke im steilen Gelände auf Kurs hielten, freigelegt und regelmässig unterhalten werden. Zudem ist geplant, hier mit einfachen Schautafeln die ursprüngliche Funktion von Geleisestrassen zu zeigen. Aber auch die der Gemeinde Vuiteboeuf gehörende "Balance", wo die Pferde gewechselt wurden und die Säumer Rast hielten und heute ab und zu kulturelle Anlässe der Schule stattfinden, zerfällt zusehends und ist umfassend zu erneuern. Demgegenüber befindet sich das


Salzmagazin noch in recht gutem Zustand. Zusammen mit den beiden Elementen und einer reichhaltigen historischen Infrastruktur wie Burgruinen, Zollstellen, Gasthäusern, Kirchen, Kapellen, Bildstöcken, Wegkreuzen usw. vermittelt die "ViaSalina", einen attraktiven Einblick in die einstige Salzroute, die übrigens auch Wasserwege (Neuenburger- und Murtensee) umfasste.
Die Route ist ein Projekt des Programms "Kulturwege Schweiz" der Fach-organisation ViaStoria. Da heute die ganze Strecke auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen ist, kann sie problemlos etappiert und den individuellen Bedürfnissen der Wanderer entsprechend bewältigt werden.


Hinweis:
Der Schoggitalerverkauf findet in der deutschen Schweiz vom 1.-11. September und in der Romandie vom 8. bis 18. September statt.

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