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Montag, 18. Januar 2010

Wakkerpreis 2010 an Fläsch (GR)

Das Rebland greift wie grüne Finger bis in den Ortskern hinein. Durch Landumlegungen konnten diese Grünzonen erhalten bleiben. (Foto G. Bally/Keystone)

Das Haus Meuli, gebaut vom Architekturbüro Bearth & Deplazes, steht wie die traditionellen Häuser direkt an der Strasse. Althergebrachtes wird mit Zeitgenössischem verbunden. (Foto Ralph Feiner)

Gut vierzig Ställe und Scheunen stehen heute leer. Weil sie ein wichtiger Bestandteil des Dorfcharakters sind, muss sorgfältig damit umgegangen werden. (Foto G. Bally/Keystone)

Die "Casascura", ein Haus von Architekt Kurt Hauenstein, zeugt von hohen Ansprüchen auch bei privaten Bauherrschaften. (Foto SHS)

Nach Guarda, Splügen und Vrin ist Fläsch die vierte Gemeinde im Kanton Graubünden, die mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet wird. (Foto SHS)

Das Schulhaus des Architekten Pablo Horváth von 1999. (Foto SHS)

Der Schweizer Heimatschutz (SHS) zeichnet Fläsch mit dem Wakkerpreis 2010 aus. Das Weinbaudorf im Rheintal erhält die diesjährige Auszeichnung für seine innovative Ortsplanung. Dank Landumlegungen konnten die charakteristischen Wein- und Obstgärten im Dorfkern erhalten werden ohne die bauliche Weiterentwicklung zu verhindern. Zudem fördert die Gemeinde aktiv gute zeitgenössische Architektur, indem sie berät und mit gutem Beispiel voran geht. Die gelungenen Neubauten stärken das Ortsbild. Die offizielle Preisübergabe findet am 19. Juni 2010 im Rahmen einer öffentlichen Feier statt.


Das Weinbaudorf Fläsch im Churer Rheintal mit seinem Ortsbild von nationaler Bedeutung (ISOS national) steht durch die Nähe zur Autobahn unter grossem Siedlungsdruck. Um der schleichenden Verstädterung und der baulichen Banalisierung der Agglomeration  zu begegnen, beschloss der Gemeindevorstand eine tiefgreifende Revision der bestehenden Ortsplanung aus den 90er Jahren. Daraufhin erliessen die Behörden einen Planungs- und Baustopp, um eine grundsätzliche Neuorientierung zu ermöglichen.

Ein Leitbild wurde erarbeitet und legte die Identität Fläschs als "Schmuckstück der Bündner Herrschaft" fest. Die weitgehend intakte Dorfstruktur und die charakteristischen Obst- und Weingärten, die weit in den Dorfkern reichen, sollen vor Überbauungen geschützt werden. Die zu erhaltenden Flächen wurden ausgezont und gingen teilweise in Gemeindeeigentum über. Die Eigentümer erhielten dank Landumlegung Realersatz an anderer Stelle. Am Ost- und Westrand des Dorfes werden Bauzonen mit höherer Überbauungsziffer definiert. Dies erlaubt ein kontrolliertes Wachstum und das einmalige Ortsbild bleibt erhalten. Die Verdichtung findet also in diesem speziellen Fall am Rande des Dorfes satt und nicht im Kern wie üblich. Die Ortsplanungsrevision wurde Ende 2008 von der Bevölkerung angenommen. Dieses gezielte Umzonen zugunsten einer qualitätsvollen Entwicklung des Ortsbildes ist für die Schweiz einmalig.

Die Gemeinde setzt sich zudem dafür ein, dass Neubauten von guter architektonischer Qualität sind. Beim Baubewilligungsverfahren setzt sie vermehrt auf Beratung und Anreize. Mit dem Schulhaus des Architekten Pablo Horváth ist sie schon 1999 mit gutem Beispiel vorangegangen. Das Wohnhaus Meuli des Architekturbüros Bearth & Deplazes, die "Casascura", ein Haus von Architekt Kurt Hauenstein oder das Weingut Gantenbein, ebenfalls von Bearth & Deplazes, zeugen von hohen Ansprüchen auch bei privaten Bauherrschaften.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die pionierhafte Zusammenarbeit der Gemeinde mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur. Unter der Leitung von Christian Wagner, Professor an der HTW und Bauberater der Gemeinde Fläsch, wurde die Revision der Ortsplanung und des Baugesetzes als Forschungsprojekt erarbeitet und begleitet. Die Studierenden haben sich ebenfalls mit der Problematik der zahlreichen leerstehenden Ställe auseinandergesetzt. Ob erhalten, umbauen oder ersetzen: es muss sorgfältig mit diesen Ställe umgegangen werden, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil des Dorfcharakters. Dazu regte die HTW sie die Gründung eines Vereins "Pro Fläsch" an, mit dem Ziel, neue Nutzungsmöglichkeiten für die Ställe zu finden.

Heute zählt die Gemeinde 600 Einwohner und 22 Weinproduzenten, die Beachtung über die Landesgrenzen hinaus geniessen. Mit dem Wakkerpreis 2010 unterstützt und stärkt der Schweizer Heimatschutz die Gemeinde Fläsch auf dem eingeschlagenen Weg. Raumplanung ist nicht einfach als Anordnung von Nutzflächen zu verstehen, sondern als Gestaltungsprojekt, um landschaftliche, räumliche und bauliche Qualitäten einer Ortschaft lenken zu können. Nach Guarda (1975), Splügen (1995) und Vrin (1998), ist Fläsch die vierte Gemeinde im Kanton Graubünden, die mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet wird.

Rückfragen:
Schweizer Heimatschutz, Monique Keller, Tel. 044 254 57 00
Gemeinde Fläsch, Heinz Urs Kunz (Gemeindepräsident), Tel. 079 460 79 26
Gemeinde Fläsch, Christian Wagner (Bauberater), Tel. 081 286 24 76


Farbfotos in Druckqualität sind in Zusammenarbeit mit Keystone unter www.keystone.ch bereitgestellt.

 

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