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Dienstag, 20. Januar 2015

Wakkerpreis 2015 an die Gemeinde Bergell (GR)

Öffentliche Bauten umnutzen und ergänzen: Gemeindehaus und Mehrzweckhalle, Promontogno, Arch. Ruinelli & Ass., Umnutzung 2009 / Anbau 1995 (Foto: Schweizer Heimatschutz)

Ökonomiebauten angemessen umnutzen: Stallumnutzung, Stampa, Arch. André Born, 2012 (Foto: Schweizer Heimatschutz)

Bauten und Kontext erhalten: Palazzo Salis, Bondo, Arch. Francesco Croce, 1766-1775 (Foto: Schweizer Heimatschutz)

Siedlungskern sorgfältig erweitern: Wohnhäuser mit Atelier, Soglio, Arch. Ruinelli & Ass., 2003 (Foto: Schweizer Heimatschutz)

Verdichten im Dorfkern: Villa Garbald, Castasegna, Neubau Arch. Miller und Maranta, 2004 (Foto: Christian Beutler/ Keystone)

Neubau unter dem Nutzgarten: Tiefgarage, Soglio, Ing. Martin Gini, 2011 (Foto: Schweizer Heimatschutz)

Das Hotel Bregaglia von 1875/76 in Promontogno (Foto: Schweizer Heimatschutz)

Der Schweizer Heimatschutz verleiht der Gemeinde Bergell den Wakkerpreis 2015. Die Bündner Talschaft hat die bestehende wertvolle Baukultur und die intakte Kulturlandschaft als Standortvorteile erkannt. Gemeinschaftlich entwickelte Strategien, eine Sensibilisierung der Bevölkerung und die frühzeitige Beratung am Einzelobjekt ermöglichen mit geringem Aufwand den Erhalt der gebauten Identität und fördern hochwertige zeitgenössische Architektur.

Die Diskussion um die gebaute Zukunft der Schweiz ist aktuell vom allgegenwärtigen Schlagwort der "Verdichtung" geprägt. Dabei geht vergessen, dass zahlreiche Regionen der Schweiz mit Fragen der Abwanderung und dem Verlust von Infrastrukturen zu kämpfen haben.

Der Schweizer Heimatschutz würdigt mit dem Wakkerpreis 2015 eine Talschaft am Rande der Schweiz, die aus dem baukulturellen Erbe die Kraft schöpft, eine eigenständige Entwicklung voranzutreiben. Der Willen zum Erhalt der eigenen Identität ermöglicht selbständige und kreative Lösungsansätze für Herausforderungen wie den Zweitwohnungsbau, die Abwanderung oder die Entleerung der Dorfkerne.

Die Fusion der fünf Gemeinden im Tal 2010 eröffnete die Chance, mit einer Gesamtstrategie bestehende Stärken zu erkennen und daraus neue Ziele zu formulieren, die einen Mehrwert für das ganze Tal schaffen. So wurde die intakte Kulturlandschaft, die bis heute eine einmalige Symbiose von Landschaft und Siedlung darstellt, als wertvoller Standortvorteil erkannt – nicht nur für den Tourismus sondern auch für die Wohn- und Lebensqualität.

Die hohe Wertschätzung des gebauten Erbes fusst auf dem traditionell starken Bürgerwillen, mit dem Bestehenden zu arbeiten und daraus Neues zu entwickeln. Dank modernen Planungsinstrumenten, einer gelebten Diskussionskultur, der Durchführung von Wettbewerben und effizienten Massnahmen zur Qualitätssicherung trägt die Gemeinde zum Erhalt und der Weiternutzung des gebauten Erbes bei. Eingespielte Abläufe, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und eine frühzeitige gemeinsame Suche nach tragfähigen Lösungen halten den administrativen Aufwand gering.

Ganzheitliche Betrachtung von Aussenraum und Gebäude
Die meisten ehemaligen Gemeinden des Tals hatten ihre Bauzonen bereits vor der Fusion kompakt und am richtigen Ort angelegt. Dadurch blieben die Übergänge zwischen den historischen Dorfkernen und der Kulturlandschaft zu weiten Teilen frei von Neubauten. Durch Quartierpläne, Gestaltungsvorschriften und Dank der Definition von Ausbauetappen verläuft die Entwicklung der Baulandreserven koordiniert und garantiert bezüglich der baulichen Qualität Mindeststandards.

Der gewünschte Bevölkerungszuwachs findet nicht nur in diesen Bauzonen statt, sondern trägt vor allem zur Belebung der historischen Dorfkerne bei. In ihnen stellen die zahlreichen nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Bauten ein Potential dar, das sinnvoll und verträglich aktiviert werden soll. Die Umnutzung dieser Gebäude wird wie sämtliche Bauprojekte in den Dorfkernen und den Quartierplanzonen durch eine obligatorische professionelle Bauberatung begleitet.

Diese fachliche Beratung stützt sich nicht auf die Durchsetzung von rigiden Regeln, sondern trägt pragmatisch zur Suche nach sinnvollen und gangbaren Lösungen bei. Im Blickpunkt stehen nicht nur der Einzelbau, sondern ebenso die nähere Umgebung und das Ortsbild als Ganzes.

Zur Sicherung und zum Erhalt des baukulturellen Erbes verfügt die Gemeinde über ein umfangreiches kommunales Denkmalpflege-Inventar und präzise Schutzzonen. Darin sind nicht nur die unbestrittenen architektonischen Höhepunkte erfasst; ebenso wurden unscheinbare, aber nicht minder prägende Elemente wie die zahlreichen Nutz- und Ziergärten samt ihren Umfassungsmauern als wichtige Bestandteile des Siedlungsbildes erkannt und geschützt.

Dieses Bündel von Massnahmen zur Sicherung der Identität und der baulichen Qualität beweist, dass Weiterentwicklung und Schutz gerade im Berggebiet eine Einheit bilden können. Die berechtigten Anliegen stehen sich nicht gegenüber, sondern befruchten sich gegenseitig.

 

Quotes:

Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin Bergell: "Der Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes bestärkt uns, auf dem richtigen Weg zu sein."

Adrian Schmid, Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz: "Die Gemeinde Bergell zeigt vorbildlich, wie eine Berggemeinde den Erhalt der lokalen Baukultur und den Wunsch nach Wachstum vereint."


Die offizielle Preisübergabe findet am 22. August 2015 im Rahmen einer öffentlichen Feier statt.


Rückfragen:

- Sabrina Németh, Projektleiterin Wakkerpreis Schweizer Heimatschutz, Tel. 044 254 57 05, sabrina.nemeth@heimatschutz.ch

- Adrian Schmid, Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz, Tel. 076 342 39 51

- Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin Bregaglia, Tel. 079 403 68 22

 

> Weitere Informationen


Weitere Fotografien werden von Keystone unter www.keystone.ch bereitgestellt.

 

 

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