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Donnerstag, 16. Juli 2009

Hotel Maderanertal, Bristen: Renovation Gartenanlage und 1. Hotelgeschoss

Instandgestellter Hofplatz mit Brunnen. Rechts der Standort des ehemaligen Teehauses. Links Waschhaus und Villa. (Foto SHS)

Restauriertes Hotelzimmer im Haupthaus, Tapeten restauriert, Holzböden geschliffen. (Foto SHS)

Historische Ansichtskarte: In seiner Blütezeit bot das Hotel Platz für über 100 Gäste. Die vornehme Kundschaft genoss die Annehmlichkeiten eines kleinen Dorfes: Nebst Kegelbahn, Teehaus und Kapelle gehörten ein Postbüro, eine Bäckerei, eine Arztpraxis und ein Coiffeursalon zur Hotelanlage.

Das Hotel Maderanertal, ein einzigartiges Hotelensemble aus dem 19. Jahrhundert, empfängt seine Gäste in teilweise neuem Kleid. Die restaurierte Gartenanlage lädt wie einst in alten Zeiten zum Verweilen ein. Im ersten Hotelgeschoss versprühen die sorgfältig renovierten Zimmer mit ihren alten Tapeten und originalen Holzböden wieder einen ganz besonderen Charme. Dank dem grossen Engagement der Eigentümer, der beauftragten Architektin und des Schweizer Heimatschutzes konnte in den vergangenen Wochen die erste Etappe der Gesamtsanierung umgesetzt werden. Die Bauherrschaft hat für heute zur offiziellen Einweihungsfeier eingeladen.


Das Hotel Maderanertal 1864/1880 ist ein wichtiger Zeuge der Tourismus­ge­schichte. Das von Basler Alpinisten initiierte Hotel beherbergte einst illustre Herrschaften aus ganz Europa. Es ist ein seltener Glücksfall, dass die Anlage mit Haupthaus, Dépendance, Waschhaus und Kapelle in ihrer ursprünglichen Art erhalten ist und noch heute als Hotel betrieben wird.  

Engagement des Schweizer Heimatschutzes
Vor drei Jahren gab der Schweizer Heimatschutz (SHS) den offiziellen Startschuss zu seinem Engagement für das Hotel  Maderanertal mit dem Ziel, ein einzigartiges Baudenkmal zu erhalten, beispielhaft zu sanieren und ein Zeichen für mehr Baukultur im Tourismus zu setzen (mehr dazu). Die Zusammenarbeit mit der Besitzerfamilie Fedier war erfolgreich aufgegleist. Gemeinsam mit der Urner Architektin Margrit Baumann und der kantonalen Denkmalpflege konnte in der Folge ein Projekt zur dringenden Sanierung und sanften Renovation der gesamten Anlage ausgearbeitet werden. Für die Instandstellung des historischen Gartens zeichnet der Luzerner Gartenarchitekt Robert Gissinger. Dank der finanziellen Unterstützung zahlreicher Institutionen* und privaten Spenderinnen und Spendern sowie dem grossen Arbeitseinsatz von Hotelier Tobias Fedier konnte die erste Bauetappe in den vergangenen Monaten umgesetzt werden.  

Gartenanlage wieder erlebbar
Der zentrale Hofplatz mit dem Brunnen hat seine ehemalige Bedeutung als   Mittelpunkt der Hotelanlage zurück gewonnen. Der einst stark eingewachsene Platz erhielt einen neuen Kiesbelag und die den Brunnen einfassenden, weitgehend zerstörten Rabatten wurden wieder aufgebaut und im Sinne der ursprünglichen Idee eines Alpinums (Alpengartens) bepflanzt. Weitere Rabatten entlang des Hotels sind repariert und mit Alpenpflanzen aus der Umgebung bestückt. Der ehemalige Standort des Teehauses (1978 abgebrochen) ist durch die Erstellung eines Kiesrasens neu lesbar. Die eingefallenen Natursteinmauern wurden wieder aufgebaut. Zudem konnte die talseitige Aussichtsterrasse saniert und mit einem Kiesrasen versehen werden.  

Hotelzimmer mit Charme
Mit der Renovation des ersten Hotelgeschosses (Korridor und vorerst vier der insgesamt 8 Zimmer) wurden die Arbeiten an den Gebäuden in Angriff genommen. Das Holztäfer neueren Datums und die Linoleum­beläge wurden entfernt. Zum Vorschein kamen die alten Gipswände und Papiertapeten, die mit grosser Sorgfalt restauriert wurden. Auch die originalen Holzböden im Korridor und in den Zimmern sind freigelegt und verleihen - zusammen mit dem aufgefrischten historischen Mobiliar - den Hotelzimmern wieder einen ganz besonderen Charme. Der ehemals dunkle Korridor erscheint dank eines neuen Farbkonzeptes frisch und zeitgemäss.

Zudem erhielt das Hotelgeschoss mit dem Einbau eines Baderaumes eine bedeutende Aufwertung im Bereich des Komforts. Das darunter liegende Saalgeschoss ist mit dem Einbau zweier Toiletten aufgewertet. Investiert wurde auch in die Gesamtversorgung der einzelnen Häuser und in die Sicherheit für den Gast: eine neue Elektroverteilung, Brandabschnittstüren pro Etage und ein Alarmsystem in den Zimmern.  

Weitere Etappen
Das Fernziel aller Beteiligten ist die integrale Erhaltung und beispielhafte Renovation des gesamten Ensembles. Die einmalige Anlage soll auch weiterhin als Hotel betrieben werden können, umso mehr als dass sich historische Hotelbetriebe steigender Beliebtheit erfreuen. Die weiteren Etappen werden in den kommenden Jahren je nach Stand der Finanzierung (das Projekt ist nach wie vor auf Spenden angewiesen) vorange­trieben.  

> Unterstützen auch Sie das Hotel Maderanertal mit Ihrer Spende (Vermerk "Maderanertal")

Rückfragen:
Schweizer Heimatschutz, Karin Artho, T 044 254 57 00  

* Die Sanierungs- und Renovationsarbeiten der ersten Etappe wurden unterstützt durch: Fonds Landschaft Schweiz (Garten), Pro Patria (Garten), Hans Z’graggen Stiftung, Otto Gamma Stiftung, Schweizer Heimatschutz (Spendenaktion bei Vereinsmitgliedern), Bund und Kanton sowie zahlreiche private Spenderinnen und Spender (mehr dazu).

 

> Beitrag in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens vom 16.07.2009

> Beitrag im Regionalsender Tele Tell vom 24.08.2009 

 

Beschrieb der Hotelanlage

Geschichte
Von Basler Alpinisten initiiert, wurde 1864 das Hotel zum Schweizerischen Alpen Club (ohne Verbindung zur Organisation SAC) errichtet. Weit herum sichtbar thronte das mit 19 einfach möblierten Zimmern ausgestattete Gasthaus auf 1349 m ü.M. auf einem steilen Felsabbruch. 1869 folgte das luxuriöser ausgestattete so genannte Engländerhaus (33 Zimmer) mit Pianosalon und Bibliothek. Gleich­zei­tig entstand das gegenüberliegende Ökonomiegebäude (später Waschhaus und Bäckerei). Das Hauptgebäude brannte 1880 vollständig nieder und wurde sofort wieder aufgebaut. In der Folge entstanden die kleine Dependance (Villa) und die Kegelbahn. 1887 wurde auf der Anhöhe eine Kapelle errichtet. Aus der Zeit um 1910 stammt das schmucke Teehaus im Schweizerhausstil (1978 abge­brochen). Zur Anlage gehört auch der Butzlisee, auf dem die Gäste im Ruderboot die märchenhafte Idylle genossen. Der Anbau einer Gaststube an der Westseite des Haupthauses erfolgte 1967.

Von den Anfängen bis 1962 stand der Hotelbetrieb unter der Leitung der Familie Indergand. Während der nächsten drei Jahrzehnte wirkte der aus Bristen stammende Hans Z'graggen als engagierter Besitzer und Gastwirt. Nach seinem Tod 1991 war die Zukunft des Hotels ungewiss. Neue Nutzungskonzepte kamen nie richtig zum Tragen. Dank dem Verkauf an Anna Fedier-Tresch und Tobias Fedier wird es seit 1996 wieder mit Erfolg als einfaches Berghotel geführt.  

  • Die Anlage ist ein wichtiger Zeuge der Tourismusgeschichte und erinnert an die Blütezeit des Frühtourismus. Sie ist eine der wenigen Hotelanlagen, die bis heute ohne grosse Veränderungen überlebt hat
  • Das Hotel Maderanertal ist ein architektonisch äusserst interessantes Ensemble. Die schlichten klassizistischen Bauten sind sorgfältig platziert und bilden eine Gesamtanlage von grosser räumlicher Qualität
  • Im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) wird der Hotelanlage Maderanertal nationale Bedeutung attestiert.
  • Nicht zuletzt ist die Hotelanlage durch ihre spektakuläre Lage auf dem mächtigen bewaldeten Felssockel einzigartig.

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