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Dienstag, 2. September 2008

Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine 3/2008: Verkehrsmittel als Kulturgut

Der Saurer SV2C wurde eigens für die steilste Postautostrecke der Schweiz konstruiert: Dieses Postauto fuhr von Reichenbach auf die Griesalp.
Sammlung Saurer Oldtimer Museum, Arbon

Lokomotive Re 4-4II 11108
Christian Hanus

Sonnenbergbahn, Kriens, Inbetriebnahme 1902
Schweizer Heimatschutz

Die Bedeutung von Verkehrsmitteln als Kulturgut wird oft unterschätzt, weil sie nicht den üblichen Kriterien entsprechen, die gemeinhin für Baudenkmäler gelten. Deshalb widmet der Schweizer Heimatschutz die neuste Ausgabe seiner Zeitschrift Heimatschutz / Patrimoine diesen wertvollen Zeugen der Vergangenheit: den kulturgeschichtlich bedeutenden Zügen, Seilbahnen und anderen Transportmitteln, die immer schneller aus unserer Landschaft verschwinden!

Die Beweglichkeit von Verkehrsmitteln ist zwar nicht ein Kriterium, das eine Aufnahme in die Liste der Denkmalgüter verhindern würde, aber es erschwert sie oft, denn ein Denkmal zeichnet sich meist durch seinen historisch gewachsenen Bezug zu einem Ort und seinen Besondernheiten aus. Aus diesem Grund darf man ein Verkehrsmittel nicht isoliert betrachten: Von grosser Relevanz sind auch seine geschichtlichen und kulturellen Inhalte, die Verbindung zu seiner Umgebung und sein kultureller Kontext sowie sein Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Spuren, die es in einer Landschaft hinterlassen hat. Ein Beispiel dafür ist das Saurer-Postauto vom Typ SV2C, das die Werkhallen in Arbon 1964 verlassen hat. Dieses Fahrzeug wurde als Sonderanfertigung eigens für die steilste Postautostrecke der Schweiz von Reichenbach auf die Griesalp konstruiert und wiederspiegelt damit das Leben und die topografischen Eigenheiten des Kientals.

Ein anderer Artikel beschäftigt sich mit der Seilbahn auf den Weissenstein (SO) und berichtet, weshalb die in den 50er Jahren in Betrieb genommene Bahn, die ein Beispiel für die herausragende Schweizer Technik der damaligen Epoche darstellt, von nationalem Interesse ist. Mit einem System von kuppelbaren Sesseln, das die Firma Von Roll nach 1940 entwickelte, gelang dem Unternehmen ein revolutionärer Durchbruch. Heute sind in der Schweiz nur noch zwei derartige Bahnen erhalten, wobei diejenige in Kandersteg im September abgebrochen werden soll. Dem Erhalt der Sesselbahn auf den Weissenstein, die den Fahrgästen mit ihren Quersesseln einen unvergesslichen Panoramablick ermöglicht, kommt deshalb oberste Priorität zu.

Schliesslich enthält die neuste Ausgabe der Zeitschrift des Schweizer Heimatschutzes auch das faszinierende Porträt eines passionierten Traktorsammlers. Seit fast 30 Jahren kauft Remy Chatagny alte ausrangierte Vehikel, die auf Bauernhöfen oder in Garagen herumstehen, um sie dann in sorgfältiger Arbeit wieder fahrtüchtig zu machen. Dabei beschränkt er sich aber nicht bloss darauf, die Traktoren zu reparieren: Er beweist sich auch als wahrer Restaurator!

Beilage
Die neuste Nummer von Heimatschutz / Patrimoine enthält eine Beilage, die unserer laufenden Kampagne «Aufschwung – Die Architektur der 50er-Jahre» gewidmet ist und sich mit dem Umgang mit Nachkriegszeitbauten beschäftigt. Weil die Schutzinventare nicht auf dem neusten Stand sind, hängt der Erhalt solcher Bauten oft vom guten Willen der Eigentümer und Architekten ab. Es reicht aber nicht, solche Gebäude vor dem Abbruch zu bewahren: Eine unsensible Renovierung kann ein Baudenkmal genauso unwiederruflich zerstören.

Weitere Informationen:
Schweizer Heimatschutz, Alexandra Lovey, 044 254 57 00

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