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Dienstag, 13. November 2007

Kulturgut von nationaler Bedeutung in Gefahr
Nein zum Bebauungsplan St. Andreas

Luftaufnahme des Chamer Seeufers.
www.st-andreas-nein.ch

Am 9. Dezember entscheiden die Stimmberechtigten der Gemeinde Cham über die Zukunft der Schlosshalbinsel St. Andreas. Wird der vorgelegte Bebauungsplan gutgeheissen, verliert das über Jahrhunderte entstandene, leicht verwunschene Paradies von nationaler Bedeutung seinen bisherigen, einzigartigen Charakter. Die beiden geplanten, 8- resp. 10-stöckigen Hochbauten greifen nicht nur stark in die Struktur der Parkanlage ein, sondern beeinträchtigen auch nachhaltig die Silhouette dieses historisch bedeutenden Ortes.

Schloss, Kapelle mit ehemaliger Kaplanei, Schlosshof und Trockengraben bilden die sichtbaren Teile einer bedeutenden mittelalterlichen Anlage am Ufer des Zugersees. Auf der Hügelkuppe werden im Bereich des Schlosshofs prähistorische Siedlungsreste, eine römische Siedlung sowie eine hochmittelalterliche Vorburg und das 1360 gegründete Städtchen vermutet. Beim Schlosspark St. Andreas handelt es sich zudem um eine der wenigen, wenn nicht sogar die einzige in ihrer Fläche und in ihren zentralen Elementen weitgehend erhaltene Anlage des bedeutenden Landschaftsarchitekten Otto Froebel.

Aufgrund der kulturhistorischen Bedeutung der Halbinsel als solche und der Bedeutung der heute noch erhaltenen historischen Substanz der Anlage St. Andreas stellten die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege und die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission in ihrem gemeinsamen Gutachten folgende Forderungen an den Bebauungsplan:

  • Integrale Erhaltung des Schlosses und grösstmögliche Schonung der historischen Substanz.
  • Intergrale Erhaltung aller weiterer Bauten und Anlageteile, die zum mittelalterlichen Ensemble gehören (z.B. Kapelle, Turmhaus, Halsgraben und Wall) sowie der wichtigen, später hinzu gekommenen Bauten und Anlageteile.
  • Erhaltung des Umfangs und der wesentlichen Elemente des Parks unter Respektierung des Bestandes aus der Zeit seiner Anlage.
  • Erhaltung des archäologischen Bestandes auf der ganzen Halbinsel.

Der vorliegende Bebauungsplan berücksichtigt keinen dieser Punkte auch nur annähernd. Dennoch wurde er von Kanton und Gemeinde praktisch vorbehaltlos durch gewunken und gelangt am 9. Dezember 2007 zur Abstimmung. Besonders problematisch sind aus der Sicht des Heimatschutzes die beiden geplanten Hochbauten, die Situierung des „Hauses am Graben“, der Abbruch des mittelalterlichen Turmhauses, die hohe Beanspruchung des Parkgeländes für weitläufige Unterflurbauten sowie die mangelnde Rücksichtnahme auf die archäologische Substanz. Würde der Bebauungsplan gutgeheissen und die geplanten Bauten errichtet, so würde die reizvolle Anlage mit überregionaler Ausstrahlung schwer beeinträchtigt.

Soweit darf es in einer Landschaft und einem Ortsbild von nationaler Bedeutung (BLN-Gebiet „Zugersee“, ISOS-Objekt „Cham“) nicht kommen. Der Schweizer sowie der Zuger Heimatschutz empfehlen deshalb, den Bebauungsplan St. Andreas abzulehnen.

Rückfragen an:
Alex Briner, Präsident Zuger Heimatschutz,
041 780 87 60 (P) oder 041 728 52 91 (G)
Philipp Maurer, Geschäftsführer Schweizer Heimatschutz,
044 254 57 00


Die Zusammenfassung des gemeinsamen Gutachtens der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege und der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission vom 26. Juni 2006 steht als PDF-Download bereit (sh. „weitere Dokumente“).

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