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Donnerstag, 9. August 2007

Neue Ausgabe der Zeitschrift Heimatschutz/Sauvegarde (3/2007)
Aufschwung – Die Architektur der 50er-Jahre

Das ehemalige Gemeinschaftshaus der Brown, Boveri & Cie (1951–54, A. Meili) in Baden ist ein Vertreter der industriellen Wohlfahrtshäuser mit einer ganz besonderen Architektur. Die dominante Lage über dem Werkgelände der BBC, die einen freien Blick über die Stadt Baden bietet, verleitete den Architekten Armin Meili dazu, einen Glaskubus auf einen Sockel zu stellen, der im Wesentlichen durch ein filigranes Raster aus Holz geprägt ist
Roger Frei

Die neue Ausgabe der zweisprachigen Zeitschrift Heimatschutz/Sauvegarde (3/2007) des Schweizer Heimatschutzes (SHS) steht ganz im Zeichen der Kampagne «Aufschwung – Die Architektur der 50er-Jahre». Mit dieser mehrjährigen Kampagne will der SHS der breiten Öffentlichkeit die Architektur-Perlen der Nachkriegszeit näher bringen und in ihr das Bewusstsein für den Schutz und den respektvollen Umgang mit den wertvollen Bauten dieser Epoche stärken. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Heimatschutz/Sauvegarde beschäftigt sich mit diesen Jahren des Aufschwungs und des Wohlstands und richtet dabei den Blick auch auf Gesellschaft, Mode, Urbanisierung und Verkehrsmittel der damaligen Zeit. So soll der euphorische Kontext besser verständlich gemacht werden, in dem sich die leichte und feingliedrige Architektur nach dem 2. Weltkrieg entwickelt hat.

Nach dem 2. Weltkrieg entfernte sich die Schweiz von der avantgardistischen Architektur des Neuen Bauens und wandte sich vermehrt einer gemässigten Bauweise zu. Verschiedene Architektinnen und Architekten beschäftigten sich mit Stilelementen, welche die nüchternen, geradlinigen Formen des Bauhaus ablösten. Flugdächer und Rasterfassaden, aber auch Ornamente und elegante Wendeltreppen prägten das neue architektonische Schaffen. Unter den vielen Bauten, die damals entstanden sind, finden sich auch zahlreiche Objekte mit einer überdurchschnittlich gelungenen Gestaltung, die Zeitzeugen von grosser historischer Bedeutung sind.

Die Veränderungen in der Architektur widerspiegeln einen allgemeinen Wandel. Die Schweiz erlebte in der Nachkriegszeit einen nie gekannten Aufschwung. Konsum und technische Fortschritte waren die Schlüsselbegriffe dieser euphorischen Epoche. Immer mehr Frauen wurden berufstätig und entdeckten die Vorteile grosser Supermärkte, wo sie ihre Lebensmittel im Grosseinkauf erwerben konnten, um sie nachher im Tiefkühler aufzubewahren. Nach der Zeit der Rationierung während des Kriegs wurde das Leben nun viel leichter – alle Träume schienen zum Greifen nah. Die Küchen wurden mit Haushaltsgeräten ausgerüstet, Stil und Gestaltung der Wohnungen waren unbeschwert und leicht, Möbel und Kleidung entspannt und abstrakt inspiriert.

Ein phänomenaler Bauboom führte zur Veränderung ganzer Quartiere. Dabei gab es auch zahlreiche architektonische Innovationen: zweigeschossige Häuserzeilen, die auf die Besonnung Rücksicht nahmen; Siedlungen mit mehreren, gleich ausgerichteten Häuserzeilen; Umfunktionierung von Gärten von Nutzflächen in Erholungsräume… Die Quartiere wurden immer dichter.

Gleichzeitig entwickelte sich das Auto zunehmend zum Transportmittel der breiten Masse, wodurch die Strassen zu eigentlichen Verkehrskorridoren wurden. Die öffentliche Hand machte grosse finanzielle Mittel frei, um das Strassennetz dem Autoverkehr anzupassen und die Flughäfen zu modernisieren. 1955 gab der Trans Europ Express TEE sein Debüt. Das ausgesuchte Design und die elegante Innenausstattung dieses Zuges verliehen ihm einen Hauch von Luxus und Exklusivität.

Die Bauten aus dieser dynamischen Epoche nach dem 2. Weltkrieg zeichnen sich durch einen aussergewöhnlichen Stil aus, der ganz typisch ist für seine Zeit. Wie die Literatur, die Musik und das Filmschaffen hat auch die Architektur in diesen Jahren herausragende Werke hervorgebracht, die der Schweizer Heimatschutz als wertvolle Kulturgüter bewahren möchte.

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