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Dienstag, 6. März 2007

Positionspapier des Schweizer Heimatschutzes zu
Wohnbauten in Rundholz

Die Wohnbauten in Rundholz nach nordamerikanischem Vorbild sind mit ihren wuchtigen Dimensionen Fremdkörper in der gebauten Umgebung
SHS

Die Wohnbauten in Rundholz haben keinen Bezug zur schweizerischen Architektur und Holzbaukultur
SHS

Während Rundholzbauten meist simple Imitationen einer vergangenen Bauweise sind, finden zeitgemässe Wohnbauten in Holz eine Formensprache zwischen Modernität und Tradition
Dominique Wehrli

Wohnhäuser in Rundholz boomen. Auf den ersten Blick scheint dieser rustikal wirkende Haustyp der schweizerischen Holzbautradition zu entsprechen, bei welcher der Rohstoff Holz lokal verarbeitet wird. Dem ist aber nicht so: Vielmehr imitieren diese Bauten die bekannten Blockhütten der Pioniere in Nordamerika. Ihre Konstruktionsweise hat nichts mit der Schweizer Baukultur zu tun. Wohnbauten in Rundholz werden mittlerweile auch in unmittelbarer Nähe von historischen Denkmälern, mitten in schutzwürdigen Gebieten oder gar ausserhalb der Bauzonen geplant. Der Schweizer Heimatschutz wehrt sich deshalb gegen diese Wohnbauform, die ihr landschaftliches und gebautes Umfeld entwertet.

Vierzig bis sechzig Zentimeter: Das ist der Durchmesser der Holzstämme, die für den Bau eines Wohnhauses in Rundholz verwendet werden. Auf diese Weise entstehen grob proportionierte Häuser mit massiven Ausmassen. Eingepflanzt in eine bestehende gebaute Umgebung wirken sie störend.

Zwar wurden Rundhölzer früher in der Schweiz für den Bau von Ställen oder Scheunen verwendet, aber praktisch nie für Wohnbauten. Die Holzhäuser der Bergregionen und Voralpen sind meist als Strickbau mit rechteckig behauenen Stämmen gebaut, während sich im Mittelland das Fachwerkhaus durchgesetzt hat. Die ältesten bestehenden Holzbauten stammen aus dem frühen Mittelalter (vor 1200). Wohnbauten in Rundholz passen nicht zu dieser Holzbautradition der Schweiz.

Die Übernahme eines solchen Modells, das hierzulande nicht verwurzelt ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Das Ziel, das damit erreicht werden soll, mag eine Rückkehr zu hehren Werten wie Einfachheit und Natur sein. Aber in Tat und Wahrheit werden solche Häuser, die früher auf sparsame und schnelle Weise erstellt worden sind, heute industriell gefertigt. So werden beispielsweise die Hölzer mit Hilfe von technischen Verfahren getrocknet. Es gibt also auch keine ökologischen Argumente, die dafür sprechen, diesem neuen Trend zu folgen.

Die Holzwirtschaft profitiert ebenso wenig davon, weil sie ihre Gewinne in erster Linie über die Holzbearbeitung erwirtschaftet. Für Rundholzbauten verwendete Stämme werden jedoch nicht verarbeitet und somit der Wertschöpfungskette entzogen.

Der Schweizer Heimatschutz ist der Ansicht, dass Wohnbauten in Rundholz in geschützten Zonen und Gebieten grundsätzlich abzulehnen sind, denn wegen des fehlenden Bezugs zur Kulturgeschichte des Ortes können benachbarte Bauten, Ortsbilder und Landschaften entwertet werden. Ausserhalb der Bauzonen sollte es ausgeschlossen sein, ein bestehendes Gebäude durch einen Bau aus Rundholz zu ersetzen. In normalen Bauzonen sollten zudem die bestehenden architektonischen Grundsätze respektiert werden.

Das Positionspapier kann auf der Homepage des Schweizer Heimatschutzes in der Rubrik Shop bestellt werden: www.heimatschutz.ch.


Weitere Informationen:
Peter Egli, Schweizer Heimatschutz, Tel. 044 254 57 00

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