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Donnerstag, 2. November 2006

Kongresshaus Zürich:
Auch der Bund steht in der Pflicht

Das Zürcher Kongresshaus (1939)ist heute vom Abbruch bedroht, obwohl es sich um einen Meilenstein der Schweizer Architektur und einen der letzten Zeugen der Landi 39 handelt. Da der Bund bei der Erstellung finanziell stark engagiert war, ist dieser nach Ansicht des Schweizer Heimatschutzes verpflichtet, sich für den Erhalt des erstrangigen Kulturgutes einzusetzen.
(Im Bild der Blick aus dem Kongresshausvestibül zum Gartensaal; historische
Aufnahme)
Foto: Das Werk 1939

Der Bund war an der Erstellung des heute vom Abbruch bedrohten Zürcher Kongresshauses finanziell beteiligt. Damit steht er nach Ansicht des Schweizer Heimatschutzes (SHS) in der Pflicht, sich für den Erhalt des Baudenkmals einzusetzen. Der SHS forderte in einem Brief an Bundesrat Pascal Couchepin, das Engagement des Bundes zu klären.

Schriftliche Quellen * belegen, dass sich der Bund am Bau des Kongresshauses finanziell erheblich beteiligte. Der Neubau war damals auf CHF 8 Mio veranschlagt. Bund, Kanton und Stadt steuerten zusammen aus Arbeitsbeschaffungskrediten CHF 3 Mio bei. Zudem leistete die Landesausstellung, ein Projekt des Bundes, einen Beitrag von CHF 500'000. Daraus lässt sich ableiten, dass der Bund mindestens CHF 1,5 Mio, also knapp 20% der Gesamtkosten getragen hat, allenfalls sogar wesentlich mehr.

Mit dieser Finanzhilfe hat der Bund den Bau des Kongresshauses zu einer Bundesaufgabe gemacht. Gestützt auf das Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) erwächst dem Bund dadurch die Pflicht, sich für den Erhalt des Baudenkmals einzusetzen. In einem Brief hat der Schweizer Heimatschutz Bundesrat Pascal Couchepin auf diese Selbstbindung aufmerksam gemacht. Der SHS forderte, genaue Angaben zum Umfang der Beteiligung und den gewährten Konditionen in Erfahrung zu bringen.

* Rede des Präsidenten des Stiftungsrates Dr. Hermann Balsiger, Einweihung des Kongresshauses Zürich, 3. Mai 1939, publiziert in: Jahrbuch 1938, Verband zum Schutze des Landschaftsbildes am Zürichsee.

Das Zürcher Kongresshaus (1937-39) ist ein Kulturdenkmal ersten Ranges und im Inventar der Schutzobjekte von kantonaler Bedeutung aufgeführt. Das Werk der berühmten Architekten Haefeli Moser Steiger ist nicht nur ein Meilenstein der Schweizer Architektur, sondern erzählt als einer der letzten baulichen Zeugen von der Landi 1939, für deren Eröffnungsfeierlichkeiten es fertig gestellt wurde. Die Schweizerische Landesausstellung, die ganz im Zeichen der geistigen Landesverteidigung stand, war ein äusserst einschneidendes Ereignis für die Schweiz des 20. Jahrhunderts.
Die Interessen am Erhalt des Baudenkmals aus der Landi-Zeit treffen jedoch auf jene des Zürcher Stadtrates, den historischen Bau durch einen Neubau zu ersetzen. Seit Mitte Juli liegt das Gesuch der Stadt um die Entlassung des Objektes aus dem kantonalen Denkmalschutz bei der Baudirektion des Kantons Zürich.
Der Schweizer Heimatschutz und seine Zürcher Sektionen setzen sich für die Zukunft des Kongresshauses ein (vgl. Medienmitteilungen vom 3. 4. und 28. 4. 2006 im Pressroom unter www.heimatschutz.ch).



Rückfragen:
Schweizer Heimatschutz, Philipp Maurer, 044 254 57 00

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