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Donnerstag, 28. August 2014

Den Innenhof des Musée d'art et d'histoire in Genf retten

Das Genfer Musée d’art et d’histoire in einer Luftaufnahme von 1995. (Foto Max Oettli/Etat de Genève)

Für den Schweizer Heimatschutz ist die Restaurierung und Rettung des Musée d'art et d'histoire in Genf von grosser Bedeutung. Auf die Erweiterungsarbeiten, die den zentralen Innenhof betreffen, muss jedoch verzichtet werden.

Das zwischen 1903 und 1910 erbaute Musée d'art et d'histoire in Genf ist ein herausragendes Baudenkmal im Beaux-Arts-Stil, das im Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung aufgeführt ist. Seit seinem Bau ist es keiner grösseren Veränderung unterzogen worden und – was für ein Gebäude dieses Typs aussergewöhnlich ist – seine gesamte ursprüngliche Bausubstanz ist erhalten geblieben. Heute muss es aber dringend restauriert werden. Zudem sollte es auch erweitert wer-den, damit seine Sammlungen besser zur Geltung gebracht werden können.

Die architektonische Struktur ist geprägt durch ein Hauptgebäude mit einer monumentalen Fassade, das den Eingang des Museums beherbergt, sowie drei Trakte, in denen die Galerien und Ausstellungsräume untergebracht sind. Diese vier Bauvolumen bilden zusammen ein Viereck rund um einen zentralen Innenhof mit Garten. Dieses grundlegende strukturelle Element sichert die natürliche Beleuchtung in den umgebenden Räumen. Vor allem aber dient der Innenhof als zentraler Punkt für die Aufteilung der Räume und Volumen und gliedert die gesamte museale Gestaltung.

Nicht umsonst fand das Museum die Bewunderung von Alfred Lichtwark, einem der bedeutendsten Kunsthistoriker und Museumsleiter Deutschlands. Als er 1912 nach Genf reiste, wo er sich mit Ferdinand Hodler treffen wollte, besuchte er auch das Musée d'art et d'histoire. Er war begeistert und fand es gar noch vollendeter als dessen Vorbild: den Petit Palais in Paris, der selbst ein Juwel ist unter den zahlreichen Museen dieses Typs, die seit Ende des 18. Jahrhunderts in ganz Europa erbaut worden waren!

Obwohl eine harmonische und respektvolle Erweiterung des Gebäudes in den benachbarten Bauten und auf einem angrenzenden Grundstück möglich wäre, plant die Stadt Genf einen Ausbau, der den Innenhof füllen würde. Dieses Projekt würde die Architektur und Harmonie des ganzen Gebäudes fundamental beeinträchtigen, den Innenhof als Schlüsselelement seiner Komposition zunichte machen und die räumliche Wahrnehmung des Ortes stören. Ausserdem würde der geplante Erweiterungsbau das bestehende Gebäude überragen, was den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der historischen Altstadt widerspricht.

Die Genfer Sektion des Schweizer Heimatschutzes hat sofort auf dieses Vorhaben für eine Überdachung des Innenhofs reagiert, mit dem das Museum komplett verändert würde. So wurde bereits 2008 ein Antrag zur Unterschutzstellung eingereicht. Bis heute liegt jedoch noch keine Antwort vor. Im Gegenteil: Der Kanton Genf hat im Juni 2013 die Baubewilligung erteilt und so gezeigt, dass die kantonalen Behörden der architektonischen und historischen Bedeutung, die dieses Baudenkmals für die Stadt Genf und die ganze Schweiz hat, keine Beachtung schenken.

Der Schweizer Heimatschutz und seine Genfer Sektion haben Rekurs gegen dieses Bauvorhaben eingereicht und warten nun auf den Entscheid der zweiten kantonalen Instanz. Ihrer Ansicht nach müssen die zwingend notwendigen Restaurationsarbeiten jedoch unverzüglich aufgenommen werden, mit denen der bestehende Bau geschützt wird und die auch die unumstrittenen Erweiterungen umfassen.


Weitere Informationen
Adrian Schmid, Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz, Tel. 044 254 57 00
Robert Cramer, président de la section Patrimoine suisse Genève, tél. 079 250 05 00
Philippe Biéler, président de Patrimoine suisse, tél. 021 907 82 52

www.patrimoinegeneve.ch

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