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Mittwoch, 9. Februar 2011

Bau von jährlich 12'000 Einfamilienhäusern fördert Zersiedelung der Schweiz

Die Tagung „Einfamilienhäuser: ein Auslaufmodell?“ des Schweizer Heimatschutzes in Bern stiess auf reges Interesse...

... und führte zu angeregten Diskussionen.

Einfamilienhäuser: ein Auslaufmodell? Tagung des Schweizer Heimatschutzes am Dienstag, 8. Februar 2011. UniS, Schanzeneckstrasse 1, Universität Bern.

Die Fakten sind bekannt: Jährlich werden rund 12'000 neue Einfamilienhäuser erstellt. Der Verfassungsauftrag, mit der knappen Ressource Boden haushälterisch umzugehen, kann so nicht erfüllt werden. Der Tenor an der Tagung „Einfamilienhäuser: ein Auslaufmodell?“ des Schweizer Heimatschutzes in Bern war eindeutig: Der Bau von Einfamilienhäusern ist nicht mehr zeitgemäss und schafft Probleme für künftige Generationen.

Die Siedlungsausdehnung erfolgt in den ländlichen Gebieten vorwiegend über Einfamilienhäuser. Gemäss der neusten Gebäude- und Wohnungsstatistik des Bundesamtes für Statistik wurden seit 2001 rund 110'000 Einfamilienhäuser in der Schweiz erstellt, dies entspricht 12'200 Gebäuden pro Jahr. Oder anders gesagt: Alle 45 Minuten wird ein Einfamilienhaus neu bezogen. Konkret sind 74 Prozent aller seit 2001 erbauten Wohngebäude Einfamilienhäuser, die häufig nur ungenügend an den ÖV angeschlossen sind und langfristig hohe Infrastruktur- und Mobilitätskosten verursachen.

Andererseits mehren sich die Anzeichen, dass Einfamilienhäuser heute nicht mehr gleichermassen wie früher in der Gunst der Nachfrager stehen. Während die Generation der Baby-Boomer ihre Einfamilienhäuser zu verlassen beginnen, zieht es jüngere Familien immer weniger in diese älteren Liegenschaften im Grünen. Häuser mit nicht mehr zeitgemässen Grundrissen an peripherer Lage finden bereits heute kaum mehr Käufer.

Die Tatsache, dass Einfamilienhäuser den Bedürfnissen künftiger Generationen wie auch den Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung nicht gerecht werden, führte zur Forderung der Tagungsteilnehmenden, die Entwicklungsdynamiken dieses Wohnmodells proaktiv zu untersuchen und qualitative Voraussetzungen zu definieren, die zu einer nachhaltigeren Entwicklung der gebauten Umwelt führen. Aktuell werden bereits Stadtbrachen regeneriert und die nachhaltige Quartierentwicklung gefördert; Eine Entwicklung, die den Einfamilienhaus-Quartieren noch bevorsteht!

Der Bodenpreis, der mit zunehmender Entfernung von städtischen Zentren proportional sinkt, begünstigt die Bautätigkeit in Randregionen. Solche Siedlungen auf der grünen Wiese erreichen jedoch nicht die erforderliche Grösse, um Entwicklung und Unterhalt von Dienstleistungen und Infrastrukturen zuzulassen sowie eine Verbesserung des ÖV kostendeckend zu ermöglichen.

Die qualitätsvolle Verdichtung ist eine Strategie, um diese Nachteile zu korrigieren. Dazu braucht es eine Vergrösserung der Bauvolumen und eine erhöhte Einwohnerdichte, aber auch eine neue Form der nachbarschaftlichen Solidarität, so eine weitere Erkenntnis der Tagungsteilnehmenden.

Der Schweizer Heimatschutz SHS sieht sich durch die Erkenntnisse der Tagung bestätigt: Die Einzonung reiner Einfamilienhaus-Quartiere ist grundsätzlich auszuschliessen. Bestehende Quartiere bieten den Raum, den steigenden Flächenbedarf der Bevölkerung ohne neue Baugebiete zu decken. Raumplanerische und architektonische Modelle zeigen, dass unter den Vorzeichen einer guten Baukultur Aufwertung durch Verdichtung möglich ist.

Für weitere Auskünfte und Fragen:
Adrian Schmid, Geschäftsleiter, Schweizer Heimatschutz, Tel. 076 342 39 51

Das Positionspapier Raumplanung kann hier heruntergeladen werden.

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